„Verborgene Schätze einer Gesellschaft des längeren Lebens heben“

„Verborgene Schätze einer Gesellschaft des längeren Lebens heben“: Zahnärztetagung befasst sich mit dem Beitrag der Zahnmedizin zur Gesundheit im Alter

Troisdorf, 10. September 2013

Angesichts des demografischen Wandels – längeres Leben, weniger Kinder – gilt es für die Älteren, möglichst lange gesund, aktiv und selbständig zu bleiben. Dies ist zugleich Voraussetzung dafür, dass trotz einer sinkenden Zahl von Jüngeren weiterhin ein Einstehen der Generationen für einander möglich bleibt.

Die Medizin und andere Wissenschaften sind in diesem Zusammenhang gefordert, Grundlagen für eine effektive Prävention und Gesundheitsförderung bereitzustellen, damit es gelingt, „zum Wohle aller Generationen bislang verborgene Schätze einer Gesellschaft des längeren Lebens" zu heben, wie die seinerzeitige Bundesbildungsministerin 2011 formulierte – beim Startschuss für ein mehrjähriges Forschungsförderprogramm der Bundesregierung zum demografischen Wandel unter dem Motto „Das Alter hat Zukunft".

Dass hierbei auch die Zahnmedizin eine wichtige Rolle spielen kann, wird bei der Jahrestagung der beiden Verbände Deutscher Arbeitskreis für Zahnheilkunde (DAZ) e.V. und Initiative Unabhängige Zahnärzte Berlin (IUZB) e.V. am 21.09.2013 in Berlin Thema sein:

„Die zahnmedizinische Versorgung in Gesellschaften längeren Lebens –
zur Bedeutung der Prävention, insbesondere bei älteren Menschen".

Der Referent, Prof. Dr. Gerd Glaeske, Versorgungsforscher an der Universität Bremen, wird verschiedene Krankheitsbilder und Problemfelder bzw. dazu vorliegende Forschungsergebnisse unter die Lupe nehmen und über die Erfolge der Prävention sowie über die Wechselwirkungen zwischen der Mundgesundheit und der allgemeinen Gesundheit berichten. Nicht zuletzt belegen inzwischen viele Studien, dass Erkrankungen im oralen Bereich, insbesondere Parodontitis, die Entwicklung wichtiger, mit zunehmendem Lebensalter gehäuft auftretender Volkskrankheiten ungünstig beeinflussen. Umgekehrt bedeuten die Vermeidung und erfolgreiche Behandlung der Munderkrankungen einen wichtigen Beitrag zur Gesamtgesundheit und zu einem gesunden Altwerden.

In der Zahnmedizin stehen seit Längerem sowohl Erkenntnisse und Methoden für die individuelle Vorbeugung als auch Strukturen und Erfahrungen für die Breitenprävention (Fluoride / Gruppenprophylaxe) zur Verfügung. Eine deutliche Verbesserung der Mundgesundheit der Bevölkerung konnte erreicht werden, jedoch gibt es weiterhin Forschungs- und Handlungsbedarf. Ein viel zu geringer Teil von Forschung und Lehre, die immer stärker von Drittmittelgebern abhängen, beschäftigt sich mit den grundlegenden Themen und Problemen der Breitenversorgung. In den Zahnarztpraxen gewinnen, z.T. gefördert von der Politik und den Standesorganisationen, Merkantilisierungs­tendenzen an Boden, die nicht geeignet sind, die Anwendung einfacher und wirksamer Verfahren der Basisversorgung zu befördern. Angesichts der Betonung der Eigenverantwortung der Patienten und der Ausrichtung vieler Praxen auf privat zu zahlende Zusatzleistungen (deren wissenschaftliche Fundierung und praktische Bewährung im Übrigen oftmals noch ausstehen) drohen gerade Patientengruppen mit geringem Selbsthilfepotential und hohem Erkrankungsrisiko an den Rand zu geraten. So richtig für eine Gesellschaft des langen Lebens die Prävention ist, darf hier nicht vorrangig auf kommerzialisierte Angebote und Eigeninitiative gesetzt werden. So mahnte kürzlich der Medizinethiker Prof. Dr. Giovanni Maio (in IGZ Die Alternative Nr. 1/2013): „Es ist ein großer Unterschied, ob man eine Präven­tionskampagne startet, um Gesundheit zu fördern, oder ob man sie startet, um Gesundheit zu fordern. … Eine Gesundheit fordernde Gesellschaft wird die sozialen Unterschiede … weiter vertiefen. … die ohnehin benachteiligten Gruppen … werden aufgrund ihrer viel geringeren Ressourcen noch weiter abgehängt."

Der DAZ plädiert für verstärkte staatliche Förderung der (zahn)medizinischen Versorgungsforschung und für ein Engagement von Kassen und Zahnärzten jenseits von Marketinginteressen zugunsten der Breitenprävention. Damit wir dank einer verbesserten Mundgesundheit der Bevölkerung der Zielvorstellung näher kommen: „Alter hat Zukunft".

Alle Interessierten – nicht nur Zahnärzte – sind herzlich zum Referat von Prof. Glaeske und zum Mitdiskutieren über Prävention und Demografie eingeladen: Samstag, 21.09.2013, 10-13 Uhr, Tagungshaus Alte Feuerwache, Axel-Springer-Straße 40-41, 10969 Berlin. Nähere Infos  gibt es im beigefügten Flyer, im Web und bei der DAZ-Geschäftsstelle.

Deutscher Arbeitskreis für Zahnheilkunde (DAZ)
Kaiserstr. 52, 53840 Troisdorf
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